THE APARTMENT
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Jene Architektur des in sich Wohnens – Die Wohnung von Heinz Frank
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Claudia Cavallar über Heinz Frank
Die Wohnung von Heinz Frank liegt im 2.Stock des Eckhauses Guntherstraße13/Stutterheimstraße14 im 15.Bezirk, unter dem Hauptsims der Schriftzug: Im Kriegsjahr1915 erbaut. Ursprünglich bewohnte Franks Familie nur die am Ende des Erschließungsganges gelegene Zimmer/Küche-Wohnung, später wurde die daran anschließende Wohnung angemietet. Die funktionelle Ausrüstung der beiden Wohnungen ergänzte sich: die „neue“verfügte über ein Bad, die„alte“über Küche und WC. Frank verband die beiden Wohnungen 1990 mit einem Durchbruch an der Straßenfensterfront und verschob die Eingangstür so weit in den Gang, dass ein Rundgang durch die Wohnung möglich wurde.
Auf Franks Architekturzeichnungen sieht man als Gebäude erkennbare Gebilde aus belebten und unbelebten Elementen, die manchmal Behausung oder Schauplatz, manch-mal selbst Wesen, manchmal etwas von beidem sind. Das Innere der Wände ist allerdings nicht rot, sondern ein grelleres rosa, während ihr Äußeres fleischfarben ist (also hautfarben, nicht fleischfarben im Frank’schen Sinn). Rot ist häufig die Farbe der Schnittflächen. Vielleicht könnte man die Wandmalerei auch als (imaginären) Schnitt durch das Innere lesen, von den „Zaunzacken“ mit den roten Schnittflächen der ersten Version der Wandmalerei zur Nur-Schnittfläche, zum Ort, wo sich Haut und Körper trennen, die Maserung als Muskelgeflecht, als Marmorierung.
Einer der zentralen Gedanken Heinz Franks war die Vorstellung von der Unmittelbarkeit und der (Un)Möglichkeit sie in der künstlerischen Arbeit anzuwenden. Vereinfacht gesagt, je näher eine Arbeit dem Gedanken stand, desto eher konnte sie als „befriedigende“ Umsetzung gelten, wobei eine Umsetzung an sich schon ein aussichtsloses Unterfangen war, das aber wieder und wieder versucht werden musste. (Der am Anfang einer Arbeit aufgeschriebene Satz kann aber durchaus später verändert werden, genauso wie die Arbeit selbst.) Techniken, die Unmittelbarkeit zu provozieren, haben häufig mit dem Körperlichen (zum Beispiel Abdrücke von Körperteilen, Quetschen von Material, Löcherbohren …) oder mit Zufall, Unfertigkeit, Zusammenstellen,Verwendung von gefundenem Material oder Fragmenten zu tun. Andere Werkgruppen zeichnen sich dagegen durch hohe handwerkliche Präzision und verfeinerte Techniken aus, Werke aus Metallguss oder möbelhafte Skulpturen wie der Sitz doch Seele-Hocker. In seinerWohnung koexistieren die beidenAnsätze. Die Wandeinbauten wurden von Franks langjährigem Tischler Leopold Schramböck ausgeführt, allerdings nach eigenen Aussagen nicht gezeichnet, sondern „aus dem Hosensack“ dem ausführendenTischler erklärt („Ist alles von mir, aber nicht handwerklich“). Ähnlich wie in der Wohnung Neuffer sind die Fronten bündig, beimWandsekretär im Badezimmer nicht rechteckig, sondern organisch abgerundet ausgeführt. Manche Einbauten haben ausgeklügelte Funktionen, sind aber geradezu provokant einfach gebaut, die Klapptische im Arbeitszimmer, die durch an Scharnieren fixierte Latten in ihrer aufgeklappten Position gehalten werden, oder die aus einfachen (Sperr) Holzplatten bestehenden Schiebetüren, die vielmehr Verstelltüren sind (von Frank als Vorhänge bezeichnet, die „natürlich auch ihre Probleme machen“). Andere sind in ihrer Reduziertheit, in ihrer Ablehnung des allzu Überlegten, Reibungslosen,Virtuosen, des Zuviel eben, erfindungsreich-elegant, wie die auskragenden Ablageflächen aus Drahtglas, die von vier Stahlnägeln gehalten werden. Viele der Nischen, Läden und Schachteln in der Wohnung sind Räume, Behausungen für Materialobjekte (Federn, Steine,Radiergummis …), so zum Beispiel die Fächer der Kastentreppe auf das Dach des Teeraums oder eine wenige Zentimeter große Nische vor dem WC, in der Frank zu Ostern oder Weihnachten saisonale Tableaus einrichtete. Hermann Czech nannte die Wohnung 2020 in seiner Grabrede auf Heinz Frank „eine Kostbarkeit, die erhalten werden muss“. Gegen einigen Widerstand bemühen sich darum Lilli Breuer-Guttmann, Tochter von Heinz Frank, und das „Büro Heinz Frank“, ein Verein, der den Nachlass verwaltet. Derzeit läuft ein Verfahren zur Unterschutzstellung durch das Bundesdenkmalamt.“
Erschienen in: Um_Bau #32; Seiten 41 – 47
Photo credit Wolfgang Thaler, 2021.








